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Kolumbien ist mehr als eine Reise wert - Reiseblog No 14


Liebe Rohkostfreunde,

einen herzlichen Gruß aus Kolumbien!


„Deutsch- und spanisch-sprechende Assistenz für Reiseleitung gesucht. Es handelt sich um eine Gruppe, die die Panamericana von Buenos Aires bis in die USA mit ihren eigenen Wohnmobilen in 6 Monaten bereist.“ Diese Anzeige las ich Ende letzten Jahres auf einer Plattform für freiwillige Arbeitseinsätze und habe mich natürlich sofort beworben! Ich hatte ein sehr schönes Interview mit der Reiseleiterin, die übrigens auch Veganerin ist, und wurde für einen Teil der Reise, der noch frei war, akzeptiert. So kam es, dass ich zusammen mit Janette, der erfahrenen Reiseleiterin, die die gesamte Panamericana schon 7 Mal gefahren ist, eine Reisegruppe mit Teilnehmern aus der Schweiz, Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Luxemburg und ihren 19 Wohnmobilen von Lima/Peru bis nach Cartagena/Kolumbien begleiten durfte. Dies war ein richtiges Abenteuer! Jeder Tag war spannend und voller Ereignisse und ich konnte wunderschöne Landschaften/Orte sehen, die man nur mit den eigenen vier Rädern erreichen kann. Ich habe die Teilnehmer in bestimmten Situationen unterstützt und für sie übersetzt wie z.B. im Krankenhaus, bei der Polizei, in der Autowerkstatt, an der Grenze und der Reiseleiterin generell assistiert. Eine wunderschöne Erfahrung!


Mit diesem schicken Wohnmobil, das perfekt mit allem Notwendigen ausgestattet war (sogar mit einem Mixer), durfte ich 5 Wochen reisen.

Von den aufregenden Abenteuern in Peru und Ecuador werde ich Euch ein anderes Mal berichten. Heute möchte ich Euch vom wunderschön farbenfrohen Kolumbien mit seinen freundlichen Menschen erzählen.


Von Ecuador ging es über die Grenze nach Kolumbien.

Autofahren in Kolumbien ist eine wahre Herausforderung! Die Straßen sind eng, teilweise sehr steil, oft in extrem schlechten Zustand, mit riesigen Schlaglöchern, vielen Baustellen und Einheimischen, die wie die Henker rasen und ohne Sicht überholen. Ich bin während der gesamten Reise auch immer wieder längere Strecken gefahren und musste jedes Mal höllisch aufpassen!

An den Baustellen ist Geduld gefragt. Manchmal standen wir dort mehrere Stunden!

Dafür wird man jedoch während der Fahrt immer wieder mit herrlichen Panorama-Ausblicken belohnt.

Unterwegs stießen wir ständig auf freundliche Menschen, die uns zuwinkten, „Daumen nach oben“ gaben und uns in ihrem Land willkommen hießen.

Unsere Strecke führte uns entlang des Cauca-Flusses.

Verglichen mit anderen Ländern gibt es hier auffällig viele Militärkontrollen. Wir wurden aber immer freundlich durchgewunken, es sei denn, die meist jungen Männer wollten gerne einmal einen Blick in unser schickes Wohnmobil werfen 😊.

Solch ein Gefährt und dann auch noch mit zwei Frauen drinnen, sieht man hier nicht alle Tage. Da staunten diese Straßenarbeiter nicht schlecht.

Kaffee ist eines der Hauptexportgüter Kolumbiens. Er wird hauptsächlich in der sogenannten „Kaffeezone“ im Zentrum des Landes kultiviert. Liebhaber dieses aromatischen Getränks können hier vor Ort alle Schritte der Kaffeeproduktion kennenlernen.

Die Kaffeekirschen wachsen an Sträuchern. Haben sie eine schöne rote Farbe, sind sie reif und werden geerntet.

In der „Entpulpungsmaschine“ werden die Kaffeebohnen vom Fruchtfleisch getrennt.

Die Pulpe wird zu Kompost weiterverarbeitet.

Frisch entpulpte Kaffeebohnen.

Die Kaffeebohnen werden normalerweise nur getrocknet exportiert, denn die Abnehmer möchten den Röstvorgang selbst kontrollieren. In diesem ungerösteten Zustand sind sie übrigens klasse für einen effektiven Entgiftungs-Kaffee-Einlauf.

Frisch geröstete Bohnen - ein Duft-Fest für jeden Kaffeeliebhaber!

Nun werden die Kaffeebohnen gemahlen und schon kann das aromatische „Gute-Morgen-Getränk“ zubereitet werden.

Janettes Drohne flog über die Kaffee-Finca, auf der wir übernachteten.

In der Nähe von Salento liegt das einzigartige Cocora-Tal. Hier wächst die majestätische Wachs-Palme, die bis zu 60 Meter hoch werden kann - die größte Palmenart der Welt.


Ein Tukan.

Hier gibt´s Guanábana- (Stachelannone) und Chirimoya-Sorbet. Lecker!!


Goldene Straßenkunst auf dem Weg nach Salento.

Die Städte Salento und Filandia sind für ihre bunten Häuser bekannt.



Salsa Colombiana 😀.

Leckere Früchte gibt es in Kolumbien überall.

Macadamia-Nüsse gefällig?

Wir sind in „Cartagena de Indias“ angekommen, der Perle Kolumbiens. Perfekt direkt am karibischen Meer gelegen, verzaubert sie besonders mit ihrer wunderschönen, kolonialen Altstadt. Cartagena ist die viertgrößte Stadt Kolumbiens, mit Sicherheit eine der schönsten des Landes und auch ganz Südamerikas.


Das Castillo San Felipe de Barajas.

Am Uhrturm, der Eingang zur wunderschönen Altstadt.







Die Kolumbianer sind sehr stolz auf ihre schönen Frauen. Jedes Jahr wird in Cartagena die „Miss Colombia“ gewählt. Zwei Mal schon hat es die „Miss Colombia“ zur“ Miss Universe“ und drei Mal zur „Miss International“ geschafft. Vor dem Veranstaltungsort wird all der Schönheiten gedacht.

Blick auf die Skyline des modernen Cartagenas.

Hier kann man die leckere „Hormiga Culona“ erstehen, frittierte Ameisen mit dickem Hintern. Eine Delikatesse. 🤤

In Cartagena wohnten wir 7 Tage im luxuriösen Hilton-Hotel (mein gewöhnlicher Unterkunft-Standard als Backpacker 😂), während die Wohnmobile für die Verschiffung nach Panama vorbereitet wurden. Es gibt bis jetzt keine Möglichkeit auf dem Landweg von Kolumbien nach Panama zu gelangen, da der „Darian Gap“ aus undurchdringbarem Dschungel ohne Straßen besteht.

In Cartagena musste ich mich leider von der Gruppe verabschieden. Ich wäre liebend gerne weiter mit ihnen gereist aber ab Panama gab es bereits eine andere Assistentin. Sie organisierten sogar noch eine Abschiedsparty am Strand für mich. So lieb! Es war wirklich eine tolle Truppe und ihre Aufmerksamkeit hat mich sehr berührt!! DANKE! Ich wünsche Euch allen eine gute und sichere Weiterreise.

So flog die Panamericana-Reisegruppe nach Panama, währenddessen ich mich auf den Weg nach Medellín und auf zu neuen Abenteuern machte.


1988 verlieh das Time Magazin Medellín den Titel „gefährlichste Stadt der Welt“ und Anfang der 90er Jahre waren die Mordraten dort gigantisch hoch, besonders durch Drogenkriminalität. Seitdem hat Kolumbiens zweitgrößte Stadt eine beeindruckende Transformation durchgemacht und definiert sich äußerst innovativ aufs Neue. Einen großen Beitrag dazu hat der großflächige Ausbau der städtischen Transportmittel geleistet. So wurden die armen „barrios“ - Stadtteile, die eng in die steil aufragenden Felswände gebaut sind, mit einer Seilbahn an die Innenstadt und andere Stadtteile angebunden.


Im „Parque de las Esculturas“ kann man 23 riesige, blankpolierte Statuen des Majestro Fernando Botero bestaunen. Er gilt als einer der erfolgreichsten Künstler Lateinamerikas und ist Medellíns berühmtester Sohn. Das Rubbeln an bestimmten Stellen soll ewiges Verliebtsein garantieren 😀.


Auch Medellín ist mit unzähligen Ständen und Märkten gesegnet, wo man eine riesige Auswahl an leckeren Früchten hat.




Hier gibt es „Chontaduro“, die Frucht der Pfirsichpalme. Sie zählt zu den Superfoods, hat ein beeindruckendes Nährstoffprofil, gilt als Aphrodisiakum und soll die Fruchtbarkeit verbessern.

Hier in Kolumbien sagt man: „Chontaduro maduro - hijo seguro“ , was soviel heißt wie mit reifer Chontaduro gibt es mit Sicherheit Nachwuchs 😊. Frauen und Männer ohne Kinderwunsch aufpassen!

Die „Comuna 13“ galt lange Zeit als das gefährlichste Barrio Medellíns. Dort hat der Drogenbaron Pablo Escobar sein Unwesen getrieben und es war von strategischer Bedeutung für Guerilla- und paramilitärische Gruppen. Heute kann man als Tourist bedenkenlos einige Teile dieses bunten Viertels, das ebenfalls einen beeindruckenden Wandel vollzogen hat, besuchen. Am Besten mit einem Führer, der dort aufgewachsen ist.

Juan erzählte uns stolz, wie die Comuna 13 diese positive Wende vollzogen hat. Es ist eine hoffnung-machende Erfolgsstory. Den Schmerz haben die Menschen in Kunst und Kultur umgewandelt. Viele farbenfrohe Graffitis locken heute die Touristen an, die Bewohner der Comuna 13 begrüßen sie mit offenen Armen und sind stolz auf das, was sie vollbracht haben.

Auch die Stadtverwaltung hat fleißig mitgeholfen, aus dem ehemals kriminellen Epizentrum der Stadt ein freundliches Wohngebiet werden zu lassen. Unter anderem wurde die Comuna 13 durch eine Metro-Station an das effiziente städtische Transportsystem angeschlossen. Es wurden Schulen gebaut, soziale Programme gestartet, kostenloses Internet in den öffentlichen Gebäuden und Plätzen installiert und sogar eine eigene Universität ist in der Planung. Natürlich gibt es auch immer noch viele Menschen dort, die in Armut leben, aber ein sehr erfolgreicher Anfang ist gemacht.




Die freundlichen Mädchen, die gerade aus der Schule kamen, interessierten sich für die Besucher aus aller Welt.

Auch die Comuna 13 „klebt“ an den steilen Hängen Medellíns. Früher war es für die Bewohner äußerst mühsam von hier in die Stadt und wieder zurück zu kommen. Dann wurde 2011 ein einzigartiges Projekt verwirklicht. Eine Folge von sechs überdachten Rolltreppen, die 400 Meter hoch bis zu den letzten Wohnhäusern des Barrio reichen, wurde gebaut. Dies hat die Lebensqualität und Mobilität der Einwohner entscheidend verbessert. Es macht Spaß mit der Rolltreppe zu fahren und dabei das quirlige Leben in diesem bunten Stadtteil aufzusaugen.



Auch für nach dem „Sightseeing“ hungrige Rohköstler hat das moderne, aufgeschlossene Medellín einiges zu bieten. Platz 1 vergebe ich an das Restaurant „Saludpan“ im Stadtteil Laureles. Dort gibt es eine große Auswahl an rohköstlichen Suppen, Hauptgerichten, Desserts, Smoothies und frischgepressten Säften. Köstlich!!
























Medellín hat ein modernes Metro-System. In kurzer Zeit kommt man an jeden Ort der Millionenstadt.

Die Metro wird ausgiebig genutzt.

Nach der geschäftigen Großstadt hatte ich wieder das Bedürfnis nach Ruhe und Natur und fuhr ins 3 Stunden südlich von Medellín gelegene Städtchen Jardín. Dort begann ich Anfang März einen weiteren Arbeitseinsatz in der idyllischen „Cascabella-Lodge“.




Wunderschön ist es hier! Wir sind mitten in der Natur, umgeben von grünen Hügeln, Bananenbäumen, Kaffeesträuchern und erfrischenden Wasserfällen.



Daniela aus Tschechien und Leon aus dem Amazonasgebiet Boliviens leiten die Lodge seit 1 1/2 Jahren und begrüßen hier viele lokale sowie internationale Gäste.

Ein „Gallito de Roca“, einer der vielen wunderschön-bunten Vögel, die man hier täglich beobachten kann.

Jardín ist ein typisches, kleines, farbenfrohes, kolumbianisches Städtchen. Super sympathisch und die Einwohner unglaublich freundlich. Hier sind einige Eindrücke davon:














Eine Chiva, der bunte Bus für lokale Transporte.

Das hier ist Angela, meine Heldin in Jardín. Sie hat den besten Naturkostladen mit einem breiten Sortiment, wo ich viele der Zutaten finde, die ich für meine Rohkost brauche.

Tja, und dann hat sie auch Kolumbien heimgesucht. Die große.....

.... und nichts war mehr so wie vorher!

Wie Ihr es von Euren Ländern wahrscheinlich auch kennt, wurden hier in Kolumbien von einem Tag auf den anderen alles und alle in den Lockdown geschickt und Jardín hat sich in eine Geisterstadt verwandelt. 3 Monate dauerte diese vollkommene Quarantäne! Sie wurde, sage und schreibe, 5 Mal verlängert! Der Tourismus ist natürlich total zusammengebrochen, die Menschen in Jardín leiden sehr darunter.

Dies hier ist unsere kleine Corona-Lockdown-Schicksalsgemeinschaft auf der Cascabella-Lodge. Außer Daniela, Leon und mir ist nur noch Chelsea aus Kanada, die auch gestrandet ist, hier. Wir haben uns aber gut arrangiert und so die lange Zeit bestens überstanden.

Ich war heilfroh, dass ich nicht in einer Großstadt wie Medellín gestrandet war, sondern hier den ganzen Tag über draußen in der Natur sein konnte. Ich arbeite im Garten, verschönere die Anlage und baue spannende Sachen mit Leon.

Seit Anfang Mai ist jedoch alles wieder ziemlich normal. Alle Geschäfte sind geöffnet, Arbeiter wieder auf den Baustellen und man sieht viele Menschen in den Straßen. Reisen kann man aber immer noch nicht. Man darf weder Jardín verlassen noch dort einreisen. Alle Landesgrenzen und Flughäfen sind noch bis Anfang September geschlossen. Das heißt, dass auch ich bis mindestens September noch in Kolumbien bleiben werde.


Kolumbien hat eine unglaubliche Vielzahl an leckeren Früchten, viele davon hatte ich noch nie vorher gesehen oder probiert. Hier möchte ich Euch einmal zwei davon vorstellen. Beide sind hervorragend geeignet, um Saft herzustellen.

Das hier ist Lulo, die Quitorange. Sie wächst an Bäumen, die über und über mit Dornen versehen sind. Am Stamm, an den Ästen, an den Blättern - überall - und sogar die Früchte selbst sind mit feinen Haaren bedeckt, die sofort in die Haut eindringen! Als ob sie nicht geerntet werden möchte! Anfassen ist also nur mit Handschuhen möglich, mit denen man sofort bei der Ernte die feinen Härchen wegrubbelt.




Und dies hier ist die „Tomate de Arból“, die Baumtomate oder auch Tamarillo genannt.


Zum Schluß möchte ich Euch ein unglaublich köstliches, traditionelles kolumbianisches Getränk vorstellen, die „Limonada de Coco“. Sie ist ganz einfach herzustellen. Ihr braucht:


4 c Kokosmilch. Diese könnt Ihr aus 2 c Kokosraspel und 4 c Wasser im Mixer ganz einfach herstellen. Durch ein Nussmilchsäckchen filtern. Die Milch zurück in den Mixer geben, den Saft von 4 mittelgroßen Limetten, 3 EL Xylit, 2 Blättchen Minze (opt.), 2 c Eiswürfel und nach Belieben 2 EL Kokosmus dazugeben. Mixen und fertig! Ganz besonders lecker an einem heißen Sommertag! (c ist die Maßeinheit „cup“ - 250 ml)



















Noch ein Hinweis: Vor 3 Wochen durfte ich mit der lieben Sabine vom Rohkost Podcast sprechen. Schaut gerne einmal bei ihr vorbei. Sie macht sehr gute Arbeit.




Ich hoffe sehr, dass Ihr in diesen verrückten, unsicheren Zeiten Euren klaren Menschenverstand behaltet! Im Moment weiß ich selbst noch nicht, wie und wann es weitergehen wird aber ich folge meinem Herzgefühl, das mir sagt, es kommt alles gut!! Wir sind mitten in einem großen Wandel!


In diesem Sinne alles Gute für Euch. Ich sende Euch Sonnenschein und frischen Kaffeeduft aus dem freundlichen Kolumbien!


Bis bald, alles Liebe!

Gisela 🌺


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