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Ohne (Irisch) Moos nix los - Reiseblog No 3

Aktualisiert: 7. Mai 2023


Liebe Rohkostfreunde,

einen sonnigen Gruß aus der türkisblauen Karibik!


Jeder, der mich kennt oder auch schon einmal einen Ausbildungskurs bei mir besucht hat, weiß eine Tatsache: Ich liebe Irisch Moos! Es kommt bei mir ganz regelmäßig zum Einsatz in Smoothies, Moussen, Cremes, Puddings, Torten, Käse...

Alles, was leicht und fluffig sein, aber dennoch eine schöne, feste Konsistenz aufweisen soll, bekommt seine entsprechende Portion Irisch Moos von mir verpasst :-). Dass es dazu noch sehr gesund, ja ein wahres “powerhouse” an Vitalstoffen, Mineralien und Enzymen ist, und ganz gezielt bei vielerlei gesundheitlichen Problemen eingesetzt werden kann, ist noch das “Tüpfelchen auf dem i” :-). Ja, und bei einer fluffig-leichten Schokoladen-Mousse, die aus solch einer gesunden Meeresalge besteht, kann doch keiner einen Einwand erheben, oder :-).


Umso entzückt war ich, als wir schon in unserer ersten Woche entdeckten, dass es auf der winzigen Insel Mayreau, auf der wir uns mittlerweile seit 3 1/2 Monaten befinden, einen waschechten “sea-moss farmer” gibt.


Philman kultiviert die tropischen Verwandten des Irisch Moos, das ja eine Atlantik-Alge ist. Die Spezies, die hier zum Einsatz kommt, nennt sich Eucheuma. Davon gibt es viele Arten. Die Art, die vom Aussehen und Verhalten bei der Verwendung in Lebensmitteln fast identisch wie Irisch Moos ist, ist Eucheuma cottonii. Es wird ausgiebig in Hawaii, Tonga, Ostafrika, China, den Philippinen und rund um den pazifischen Ozean angebaut und kommt dort vielfältig in der Lebensmittel- und Kosmetikindustrie zum Einsatz. Es wird auch als “Sea Bird Nest” bezeichnet oder "Sabah Seaweed", einen deutschen Namen konnte ich leider nicht finden, deshalb werde ich im weiteren von Eucheuma schreiben.


Philman hat uns in unserer Zeit hier immer wieder zu seinem “sea-moss-garden” mitgenommen und uns alle Schritte für dessen Anbau, und Ernte gezeigt.


Was braucht man? Sauberes Meerwasser (also Salzwasser), Sonne für Licht und Wärme, ein gesundes Eucheuma-Exemplar, Wellenbewegungen.


Hier um unsere kleine Paradiesinsel haben wir natürlich die optimalen Bedingungen für den Anbau von Algen. Super-sauberes, klares, warmes Meerwasser, viel Sonnenlicht und das ganze Jahr über warme Temperaturen.


Ich nehme Euch hier einmal mit an die Küste von Mayreau und zeige Euch die einzelnen Schritte für die Algenkultivation.

Philman wartet schon mit seinem Boot, das er übrigens selbst gebaut hat, auf uns!

Zuerst einmal braucht man ein gesundes, schönes Exemplar der Eucheuma-Alge, wie sie uns Philman hier zeigt. Sie wächst hier natürlich auch wild und um sie dann zu kultivieren, muss man sich nur einen “Starter” holen.

Hier noch einmal eine Nahaufnahme. Ist sie nicht wunderschön? Man sieht doch schon gleich, dass da viel Gutes für unsere Gesundheit drinnen steckt!

In solch einem schwimmenden Netz hält Philman verschiedene Spezies von Algen, die er dann zum “Anpflanzen” verwendet.

Den nächsten Schritt kann man entweder vom Boot aus oder am Strand machen. Kleine Stücke der Mutterpflanze werden an kurzen Stricken, die wiederum an einem einzelnen langen Seil befestigt sind, angeknotet.

So sieht dann eine fertig-bestückte Leine aus:

Nun werden die Leinen im Meer ausgelegt. Sie werden an Pfählen befestigt und durch die angeknoteten Plastikflaschen schwimmen sie oben, nahe an der Wasseroberfläche und bekommen so viel Sonnenlicht.


Hier ist noch eine weitere Methode, die Philman praktiziert. Die Algen wachsen im seichten Wasser aufgeknüpft. Diese Methode gefällt mir viel besser, weil dabei keine leidigen Plastikflaschen verwendet werden müssen.


Den Rest macht Mutter Natur! Sie gibt den kleinen Algen-Babies viel Sonnenlicht, Wärme, Salzwasser, Bewegung durch die Wellen und schickt ab und zu ein paar neugierige, hungrige kleine Fischlein vorbei, damit sie ein wenig an den Enden knabbern. Dies stimuliert das Algen-Wachstum, ganz so, wie wenn man bei Pflanzen die Enden abknipst.

Nach etwa 2-3 Monaten kann man die Eucheuma-Algen ernten. Sie sind dann zu einer stattlichen Größe herangewachsen.

Und ja, man kann sie direkt auch aus dem Meer knabbern. Sie schmecken wirklich köstlich und sind ein gesunder, sättigender Snack. Fast so gut wie Grünkohl-Chips :-). Die Mayreau-Insulaner schütteln nur den Kopf wenn sie uns so sehen aber hartgesottene Rohköstler kann nichts abschrecken :-).

Wie man sieht, ist die Eucheuma-Alge im natürlichen Zustand von gelb-rötlicher Farbe. Da die Kunden jedoch eine weiße Farbe haben möchten, wird sie nach der Ernte in der Sonne gebleicht. Dazu werden sie in große Tüten aus dickem Plastik gepackt und einige Stunden in der Sonne liegen lassen.


Danach sind sie strahlend weiß, ganz wie gewünscht.

Hier ist eine Schüssel voller sonnengebleichter Eucheuma.

Für größere Mengen gibt es allerdings auch eine andere Art des Bleichens. Dafür werden die Algen auf großen Matten ausgebreitet und mit Glasplatten überdeckt. So sind sie nicht in Plastik in der Wärme, was vielleicht doch nicht ganz so toll ist!

Nun müssen die Eucheuma-Algen nur noch getrocknet werden, was auch ganz prima im Schatten funktioniert.

Danach sehen sie so aus und sind allen von Euch vertraut, die schon einmal getrocknetes Irisch Moos gekauft haben. So kann man sie lange Zeit aufbewahren. Das restliche Salz konserviert die Algen.

Wenn das Eucheuma nun zum Einsatz kommen soll, spült man das Salz ab und lässt es in frischen Wasser einweichen. Während Irisch Moos mindestens 5 Stunden einweichen muss, ist Eucheuma schon nach etwa 40 Minuten bis 2 Stunden einsatzbereit.


So sieht Eucheuma aus, nachdem es eingeweicht wurde:

Mit Wasser gemixt erhält man ein schönes, weißes Eucheuma-Gel, das sich gut mindestens 4 Wochen im Kühlschrank aufbewahren lässt.

Mit diesem fertigen Gel kann man in Minuten leicht-locker-fluffige Smoothies, Mousse und Puddings zaubern. Bei uns gibt es auf jeden Fall jeden Tag Mango-, Papaya-, Bananen-, Schokoladen-Smoothie oder Mousse. Wir können uns ein Leben ohne tägliches “sea moss” gar nicht mehr vorstellen! Die kleinen weißen Flecken auf meinen Fingernägeln, die ich von Deutschland mitgebracht hatte, sind innerhalb von zwei Wochen verschwunden. Eucheuma ist voller Mineralstoffe und unglaublich nährstoffhaltig.


Sehr lecker sind auch frische Salate mit Eucheuma. Wiedereingeweichtes Eucheuma ist etwas weicher als Irisch Moos und sehr saugfähig,so dass man es prima marinieren kann. Alle Arten von Rohkost-Saucen sind möglich. Hier bei diesem Salat habe ich die Algen in einer Sauce aus Zitronensaft, Olivenöl, Salz, Pfeffer, etwas Xylit, Senf und Thymian mariniert. Dann einfach schauen, welches Gemüse im Kühlschrank ist und es dazugeben. Ich habe in unserem gelbe und rote Paprika, Tomaten, Spinat, Gurke und Petersilie gefunden. Es schmeckt wirklich klasse! Selbst Philman unser “sea moss farmer”, der in seinem ganzen Leben noch nie Eucheuma roh gegessen hatte, war begeistert.

Ja, und dann hat mich als neugierigen Geist natürlich interessiert, was passiert, wenn man die Eucheuma-Alge nicht bleicht, sondern sie einfach erntet und trocknet. Die Pflanzenpigmente haben nämlich ganz bestimmt auch positive Eigenschaften für unsere Gesundheit. Die Natur macht nichts ohne guten Grund.

Gesagt - getan!

Frischgeerntetes Eucheuma zum Trocknen ausgelegt:

Hier sieht man gebleichte und ungebleichte Algen:

Das ungebleichte Eucheuma ergibt ein schickes pinkes Gel.

Die Bindekraft von Eucheuma ist etwas stärker als vom Irisch Moos, so dass man sehr wenig davon braucht. Um einen ganzen Mixer voller Nussmilch schön fluffig zu machen braucht man etwa 2 EL Gel. Bei diesen kleinen Mengen verschwindet die Farbe völlig und man erhält trotzdem ein weißes Produkt.

Hier zeigt Euch Philman noch eine andere Alge, die er auch kultiviert. Es ist Eucheuma denticulatum, auch Agar Agar genannt.

Ich kannte Agar Agar bisher nur als Pulver, das mit Flüssigkeit aufgekocht werden muss, damit es bindet. Das frische Agar Agar ergibt ein sehr festes Gel. Man muss es nur mit warmem Wasser mixen. Es funktioniert wunderbar ohne Kochen. Dieses feste Gel eignet sich wunderbar, wenn etwas eine sehr feste Konsistenz haben soll, wie z.B. Mozzarella, Flans, Schnittkäse... Es ist auch vielseitig einsetzbar.


Hier möchte ich Euch noch einige gesundheitliche Vorteile der Eucheuma-Algen aufzeigen und Euch Appetit darauf machen. Eine Recherche im Internet ergibt viele Seiten.

Eucheuma cottonii:

  • Ist eine sehr gute Quelle für bioverfügbares Eisen und kann so Anämie entgegenwirken.

  • Ist eine gute Quelle für Eiweiß - bis zu 10 % der Gesamtmasse.

  • Wirkt entzündlichen Zuständen aller Art entgegen und kann so bei Schwellungen, Rötungen, Arthritis, Nieren- und Blasenentzündungen, Bronchitis usw. eingesetzt werden.

  • Enthält natürliches Kollagen, das Falten, trockener Haut und Altersflecken entgegenwirkt.Kein Wunder, dass die Mayreau-Ladies so schöne straffe Haut bis ins hohe Alter haben!

  • Kann Übersäuerung entgegenwirken, da es leicht basisch ist.

  • Beschleunigt die Wundheilung.

  • Enthält einen hohen Anteil an Calcium, Magnesium und Phosphor und ist so gut für starke Knochen.

  • Verbessert und normalisiert die Schilddrüsenfunktion, harmonisiert die Schilddrüsenhormone.

  • Ist gut für den Magen-Darm-Trakt. Es hilft bei Magengeschwüren, Magenschmerzen, Sodbrennen, Verstopfung und Durchfall.

  • Stärkt die Blutgefäße und hilft so Herz-Kreislauf-Krankheiten vorzubeugen.

  • Hilft beim Abnehmen, besonders im Bauch- und Po-Bereich!

  • Wirkt antibakteriell und antiviral.

  • Ist ein gutes Diuretikum und hilft Toxine aus dem Körper zu schwemmen, kann bei Ödemen helfen.

  • Enthält viele Antioxidantien, die Schädigung durch freie Radikale entgegenwirken.

Nicht schlecht, was Eucheuma alles kann, oder?


Lucy bringt einen Rucksack voller Eucheuma mit nach Deutschland. Wer es einmal probieren möchte, kann sich gerne an sie wenden.


Ich werde nächste Woche unsere kleine Paradiesinsel und all die lieben und treuen Hunde verlassen und drei Inseln weiter, nach Grenada, schippern. Dort steht nach dem Thema “Hunde” und “Algen” ganz etwas anderes auf meinem Studienplan, nämlich “Schokolade”! Die nächsten 3 Monate werde ich auf einer Kakao-Farm mitarbeiten, Kakao anbauen und daraus köstliche Schokolade herstellen. Von dort melde ich mich dann wieder bei Euch und berichte.


Ich wünsche Euch allen einen schönen, warmen Frühling in Europa und sende viel Sonne, blauen Himmel und eine laue Meeresbrise von Mayreau.


Gisela






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