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Süßes aus Kolumbien - Reiseblog No 15


Liebe Rohkostfreunde,

einen herzlichen Gruß aus „immer noch“ Kolumbien☺. Eigentlich wollte ich jetzt schon längst in Ecuador sein. Ich hatte zwei wunderbare „Housesits“ dort, die leider beide abgesagt wurden, sowie auch zwei meiner „Flugversuche“ dorthin. Die Realität ist, dass Kolumbien seit Mitte März zu ist. Alle Landesgrenzen sind geschlossen und es gibt auch noch keine internationalen Flüge raus aus dem Land. Diese sollten eigentlich am 1. September starten, daraus wurde jedoch wieder einmal nichts. Der nächste Öffnungstermin ist für den 1. Oktober angesagt - mal sehen! Wenigsten ist es aber seit dem 1. September wieder möglich, innerhalb des Landes zu reisen, was während des sage und schreibe 6-monatigen totalen Lockdowns nicht einmal möglich war.

Nun bin ich also schon 7 Monate in dem farbenfrohen Kaffeeland und war dabei nicht untätig. Ich durfte in der Zwischenzeit einige wunderbare Menschen mit ihren interessanten Projekten kennenlernen und bei einem auch mitarbeiten. Heute möchte ich Euch einige davon vorstellen.


Dies sind Verónica und ihr Bruder Alejandro.

Da die beiden während des Corona-Lockdowns keine Arbeit mehr hatten, haben sie kurzerhand ein eigenes, kleines Sprossen-Unternehmen - SATTVA- gegründet. Verónica ist Athletin und beschäftigt sich seit einigen Jahren mit einer gesunden Ernährung, die ihr auch während der sportlichen Belastung hilfreich sein kann. So kam sie nach einigem Suchen auf die „Energie- und Nährstoff-Bomben“ Sprossen. Seit März 2020 ziehen die beiden nun Linsen- und Mungbohnen-Sprossen, die sie über einige Naturkost- und Gemüseläden in Jardín vertreiben. Sie informieren über den Nährwert der Sprossen und veröffentlichen leckere Rezepte damit. Bei entsprechendem Interesse möchten sie ihr Sortiment noch erweitern. Super, Verónica und Alejandro, Ihr seid auf einem guten Weg! Weiter so! Ich hoffe, dass viele Menschen die gesundheitlichen Vorteile von Sprossen erkennen und die beiden tüchtig in ihrem neuen Unternehmen unterstützen.



Dies sind Jaime und Inmelda Marín.

Die beiden leiten seit vielen Jahren die biologische Fair-Trade-Kaffee-Finca „Alto de las Flores“ bei Jardín. Ihr Kaffee wird hauptsächlich nach Kanada exportiert. Bei Jaime und Inmelda kann man alles über eine umweltfreundliche Kaffee-Produktion lernen.



















Weitere Angebote auf ihrer Finca sind Reitausflüge in die wunderschöne Umgebung, sowie idyllische Übernachtungsmöglichkeiten. Dies ist der Blick aus der Küche ihres malerisch gelegenen, heimeligen Airbnb-Häuschens.

Außer Kaffee wird auf der Finca noch Panela produziert, ein wichtiges, traditionsreiches Produkt in Kolumbien. Panela ist der unraffinierte, ungebleichte, eingekochte Saft des Zuckerrohrs. Panela wird hier in Kolumbien zum Süßen von so ziemlich allem verwendet. Dabei ist es sicher eine der gesündesten Zuckerarten.


Jaime hat dieses Handwerk vor Jahrzehnten von seinem Vater gelernt und auch heute wird seine Panela nach der traditionellen Methode in reiner Handarbeit hergestellt.

Hier möchte ich euch heute einmal zeigen, wie dies gemacht wird.


Etwa alle 1-2 Monate wird die Panela-Küche aktiviert. Mit 8 Arbeitern können sie an einem Tag 1200 kg Panela produzieren. Nähert man sich der Arbeitsstätte, schlägt einem unmittelbar der süße Duft von Karamell entgegen 😍.


Zuerst wird das frischgeerntete Zuckerrohr in der traditionellen Mühle, der Trapiche, ausgepresst.


Dadurch erhält man den leckeren Zuckerrohrsaft, der oft sogar als „Superjuice“ gelobt wird. Er enthält Kalium, Eisen, Magnesium, Zink, Calcium und Vitamine vor allem des B-Komplexes, B1, B2, B3, B5, B6, B8 und B9. Ja, und außerdem schmeckt er ganz einfach köstlich! Am liebsten mit einem Schuss Limette und Eis.

In den weiteren Arbeitsschritten wird der Zuckerrohrsaft zu einem Sirup eingekocht. Dabei dient das ausgepresste, getrocknete Zuckerrohr als Brennmaterial für das Feuer, das konstant unter den Kupferkesseln brennen muss.

In den ersten Kessel wird zusammen mit dem Zuckerrohrsaft ein wenig der Rinde des Balsabaumes gegeben. Diese bindet eventuelle Verunreinigungen, die daraufhin an der Oberfläche schwimmen und leicht abgeschöpft werden können.

Der Zuckerrohrsaft wird nun von Kessel zu Kessel geschöpft, während immer mehr Wasser verdampft und er mehr und mehr zu einem Sirup einkocht.





Ist der Zuckerrohrsirup dickflüssig genug, wird er in einen Holzbottich gegeben.

Nun wird die Masse kräftig gerührt, wobei sie zuerst „aufgeht“ wie ein Hefeteig.



Es wird weiter gerührt und geschlagen, bis die goldene Masse nach und nach abkühlt und auskristallisiert.

Jetzt muss es schnell gehen, bevor die Masse zu hart wird. Mit einer Holztasse wird sie in Form gebracht.


Nun müssen die Kuchen nur noch auskühlen und trocknen und voilá fertig ist die karamell-malzig, süße Panela.


Hier in Kolumbien ist Panela das traditionelle Süßungsmittel. Es ist günstig und sicher eines der gesündesten.


Lässt man die Panela-Masse weiter auskühlen und auskristallisieren, erhält man eine körnige Zuckerkonsistenz.


Dieser wird dann noch fein gesiebt und fertig ist der Panela-Rohrzucker, völlig ohne Chemikalien, unraffiniert und ungebleicht, noch mit vielen Nährstoffen intakt.


Diese „panela molida“ ,wie sie hier heißt, eignet sich fantastisch für alles, wofür ich sonst Kokosblütenzucker eingesetzt hätte. Der Schokolade verleiht sie einen köstlich karamelligen, süßen Geschmack. Die Süßkraft ist sehr hoch, so dass man mit wenig auskommt.


Wenn Ihr gerne einmal die leckere, vielseitige, original Panela aus Kolumbien probieren möchtet, könnt Ihr sie hier bestellen und dabei auch die Bauern vor Ort unterstützen:


Mit dem code: GLOWING10 erhaltet Ihr 10% Rabatt auf Euren Einkauf ab €15,00.


Eine weitere süße Spielerei kann man mit dem Zuckerrohrsirup machen. Der aus den Kesseln herausgekochte Saft karamellisiert mit der Zeit. Dieses Karamell wird abgezogen und dann an einem Holzhaken mindestens 15 Minuten kräftig gezogen und bearbeitet, bis es seine Farbe und Konsistenz ändert.





Nach dem Abkühlen und Trocknen erhält man eine süße Masse, die ein wenig an Türkischen Honig erinnert. Natürlich super süß, man kann nur ein ganz kleines Stück auf einmal essen.


Nach gut 4 Monaten in Jardín machte ich mich noch mitten in der Lockdown-Phase auf die Reise nach Medellín und von dort nach Bogotá. Dies war höchst abenteuerlich und nur mit einer Spezialgenehmigung des Bürgermeisters möglich. Ich und mein Rucksack wurden auf dieser Reise mindestens 5 Mal von oben bis unten desinfiziert. Um mich herum fast nur undefinierbare Menschen in Raumanzügen, Masken und Schutzschild. In den Bussen war jeder zweite Sitz abgeriegelt. Ich kam mir wirklich vor wie im falschen Film.


Traurig, die Metro in Medellín.

























In der Nähe von Bogotá verbrachte ich die letzten 2 1/2 Monate und zwar in der Camphill-Gemeinschaft Agua Linda. In den Camphill-Gemeinschaften leben und arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung gleichwertig und gleichberechtigt zusammen.


Die Camphill-Bewegung wurde von dem Wiener Kinderarzt und Heilpädagogen Dr. Karl König, zusammen mit einer kleinen Gruppen von Medizinstudenten und jungen Künstlern im Jahre 1940 in Schottland ins Leben gerufen.

Gezwungen aus Nazi-Deutschland/Österreich zu fliehen, begannen sie mit ihrer Arbeit auf dem Anwesen „Camphill House“ bei Aberdeen. Daraus erwuchs die internationale Camphill-Bewegung und inzwischen gibt es über 100 Camphill-Gemeinschaften in 29 Ländern und viele weitere, die auf ähnliche Weise arbeiten.


Das Zusammenleben in den Camphill-Gemeinschaften hat sich aus der anthroposophischen Philosophie entwickelt, dass alle Menschen, ob mit oder ohne Behinderung, vollwertige Persönlichkeiten sind und ein Recht auf ein ausgefülltes und sinnvolles Leben in Freiheit und Würde haben.


Dr. Karl König sagte dazu:


„Jeder Mensch ist mehr als seine leibliche Erscheinung! Er ist mehr als sein Körper, als seine Empfindungen, als sein gesprochenes oder ungesprochenes Wort ausdrücken. Er ist mehr als alle seine Lebensäußerungen zeigen. Seine Erscheinung ist nur die äußere Hülle eines unsterblichen, ewigen, geistigen Wesens......wir müssen versuchen, durch diese Hüllen hindurchzudringen und das Heiligste des Heiligen im Menschen zu erreichen: seine geistige Wesenheit......daß jeder Mensch dieses „Ich“ in sich trägt und daß dieses „Ich“ ewig, unzerstörbar und von geistiger Natur ist, ist grundlegend für unsere Einstellung jedem Menschen gegenüber. Er ist unser Bruder und unsere Schwester. Er ist uns und jedem anderen Menschen ebenbürtig.“

aus „Über das Wesen Camphills“ 1943, von Dr. Karl König


Ich selbst habe 2 1/2 Jahre in einer Camphill-Schule in Südafrika, 2 Jahre in einer anthroposophischen Dorfgemeinschaft in Neuseeland und 2 Jahre in einer anthroposophischen Schulgemeinschaft in der Schweiz gelebt und gearbeitet, sowie weitere Camphill-Gemeinschaften für einige Monate in Botswana, England, Schottland, Deutschland, Australien und Kanada besucht. In der großen, internationalen Camphill-Familie wird man immer freundlich und mit offenen Armen empfangen.


Umso mehr freute ich mich, dass ich die Möglichkeit hatte, die Gemeinschaft "Agua Linda" kennenzulernen, die neben der „Respirar Comunidad“ in Argentinien die einzig weitere Camphill-Gemeinschaft Südamerikas ist. Die Organisation „Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners“ vermittelt regelmäßig auch Freiwillige an Agua Linda, die jeweils ein Jahr dort mitarbeiten. Leider musste die diesjährige Voluntärin nach nur 6 Monaten wegen der Corona-Tumulte nach Deutschland zurückkehren. So gab es einen freien Platz, den ich dankend annahm. Die Camphill-Gemeinschaft Agua Linda wurde vor 7 Jahren von Lina Maria Reina Gartner und ihrem Bekannten Pablo, der einen Sohn mit besonderen Bedürfnissen hat, gegründet.

Lina ist im Foto unten rechts.


Lina ist Psychologin und wurde von einer Freundin auf die Camphill-Bewegung aufmerksam gemacht. Dieses Konzept hat sie sofort fasziniert und sie wusste gleich, dass sie in solch einer Einrichtung Erfahrungen machen möchte. Von dem Tag an dem sie diese Entscheidung traf und dem Tag an dem sie sich auf die Reise nach Wales zur den Coleg Elidyr Camphill Communities machte, vergingen weniger als 4 Wochen. Über 2 Jahre verbrachte Lina im Coleg Elidyr in Wales und in der Camphill School Aberdeen in Schottland, absolvierte eine Ausbildung als Heilpädagogin und konnte viele prägende Erfahrungen sammeln.

Sie war gerade einmal 31 Jahre jung, als sie in ihr Heimatland zurückkehrte, mit dem festen Entschluss eine solche Camphill-Einrichtung auch in Kolumbien zu gründen. Großen Bedarf gibt es auf jeden Fall.


Mir gefällt das Logo von Agua Linda sehr. Menschen mit besonderen Bedürfnissen mit dem Wasser der Empathie, der Liebe und der Unterstützung zum Wachsen und Gedeihen bringen.

















Ursprünglich weit außerhalb von Bogotá auf dem Lande, mussten sie wegen des Corona-Lockdowns näher an die Stadt in ein neues Haus bei Cota umziehen. Damit verringerte sich auch die Zahl der Bewohner. Im Moment sind es 5 Menschen mit besonderen Bedürfnissen, die in Agua Linda leben, sowie eine junge Frau, die nur tagsüber zur Betreuung und zum Lernen kommt.


Rhythmus bestimmt den Tagesablauf. So fühlen sich die Bewohner in einem sicheren Rahmen, innerhalb dessen sie lernen und sich entwickeln können. Hier sind einige Eindrücke der Aktivitäten in Agua Linda.













































































Ich wünsche allen in Agua Linda alles Gute bei der weiteren Arbeit und hoffe, dass sich die Mittel und Wege finden, um die Gemeinschaft wachsen zu lassen. Es gibt viele Menschen, die solch eine Betreuung in Kolumbien brauchen.


Die Nähe zum „Corona-Hotspot“ Bogotá machte sich in Cota auf alle Fälle bemerkbar. Während es im kleinen Städtchen Jardín ab Anfang Mai wieder einigermaßen normal zuging, werden die strengen „Corona-Hygiene-Maßnahmen“ bis heute in Cota akribisch umgesetzt. Unter der Woche darf man nur an den Wochentagen, die der Endziffer des Passes entsprechen, einkaufen, am Samstag nur Frauen und am Sonntag nur Männer!


Diese freundlichen jungen Damen erinnern, damit man es auch ja nicht vergisst, dass:

  1. Der Gebrauch des Mundschutzes verpflichtend ist.

  2. Covid-19 kein Spiel ist und man es ernst nehmen muss.

  3. Man alle Vorschriften einhalten sollte, um Strafen zu verhindern.

  4. Mit dem Corona-Virus konfrontiert, es wichtig ist, intelligente Schutzmaßnahmen zu treffen.

Auch solche „desinfektionsmittel-versprühende“ Gestalten konnte man zuhauf in der Innenstadt von Cota sehen.

Meine herzlichen Glückwünsche gehen an die frischgewählte „Gemüsekönigin“ 2020 von Cota. 😉

Hier gibt es noch eine genaue Anleitung, damit man auch die richtige Kerze für den richtigen Heiligen für den richtigen Anlass anzündet.




















Die heilige Martha ist zum Beispiel zuständig für unmögliche Fälle und Dringlichkeiten mit schwieriger Lösung. Die Jungfrau der Wunder hilft natürlich ganz klar bei den nötigen Wundern und der Heilige Cipriano ist Spezialist für das Wiederfinden von verlorener Liebe. Ist doch alles ganz einfach!


Seit einigen Tagen bin ich nun in Villa de Leyva, 3 Std. nördlich von Bogotá. Es ist ein ganz zauberhaftes, koloniales Städtchen, das noch völlig intakt ist und von „modernen“ Gebäuden völlig verschont blieb. 1572 zu Zeiten der spanischen Eroberung gegründet, wurde es schon 1954 als nationales Monument erklärt. Mittelpunkt des Städtchens ist der majestätische, riesige Hauptplatz mit seinen großen, alten Pflastersteinen. Er gilt als einer der schönsten ganz Südamerikas.

Durch die Straßen Villa de Leyvas schlendernd, fühlt man sich in der Zeit zurückversetzt und ein wenig wie in einem großen Freilicht-Museum.

Unter der Woche ist es hier sehr ruhig, da es noch keine internationalen Touristen gibt aber am Wochenende füllen sich die Straßen mit „Bogotanos“, die, nachdem sie fast 6 Monate in ihren Apartments eingeschlossen waren, endlich wieder ein wenig Normalität und Freiheit fühlen möchten.


Es ist sehr schön und angenehm in diesem kleinen Juwel. Hier werde ich bis Ende des Monats bleiben und die weiteren Entwicklungen abwarten. Im Moment weiß ich noch nicht, wohin es weitergehen wird aber ich denke, dass ich ab Oktober weiterreisen kann. Bis dahin genieße ich die Ruhe und Atmosphäre in Kolumbiens schönster Kolonial-Stadt.


Abschließend noch einige Kostproben der neuesten „Mode-Kategorie“ . Eigentlich zum Totlachen, wenn es nicht so erschreckend und traurig wäre!!







Am besten ist noch meine Gemüsehändlerin.

Ich wünsche Euch allen innere Ruhe in diesen stürmischen Zeiten und die Intuition, das Richtige zu tun.


Bis bald, alles Liebe und herzliche Grüße aus Kolumbien.

Gisela 🌺



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